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Adverse Selection

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Adverse Selection

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Der Doppeleintrag befindet sich unter Adverse Selektion. –--Kai (Benutzer:Geisslr) 23:16, 24. Mar 2005 (CET)

Adverse Selection ist ein Begriff aus der Neuen Institutionenokonomie und bezeichnet einen Zustand, in dem es auf einem Markt systematisch zu unerwunschten Ergebnissen kommt. Das erste grundlegende Modell hierzu wurde von Akerlof (1970) entwickelt, der am Beispiel des Gebrauchtwagenmarkts gezeigt hat, wie es zur Verdrangung der erwunschten Anbieter kommt (sog. 'market for lemons').

Table of contents
1 Informationsasymmetrie
2 Losungsmoglichkeiten
3 Beispiele

3.1 Versicherungsmarkte
3.2 Steuerwettbewerb
3.3 Sozialstaaten

4 Literatur

Informationsasymmetrie

Voraussetzung dafur, dass es zu adverse selection kommt, ist eine Informationsasymmetrie zwischen den Vertragspartnern. Am Beispiel des Gebrauchtwagenmarktes besteht diese Asymmetrie darin, dass der Verkaufer des Wagens die Qualitat kennt, der Kaufer sie nicht (oder zumindest nicht kostenlos) beurteilen kann, in dem Lemons-Beispiel bedeutet dies folgendes:

In einem Markt, in dem sowohl gute als auch schlechte ('Lemons') Gebrauchtwagen angeboten werden, mussen die Kaufer zum Beispiel einen Erwartungswert fur die Qualitat bilden. Dieser liegt zwischen dem Wert eines guten und dem eines schlechten Wagens; sie sind damit nur einen niedrigeren Preis zu zahlen bereit, als sie fur einen guten Wagen zahlen wurden. Damit werden systematisch die Anbieter guter Gebrauchtwagen aus dem Markt gedrangt, so dass am Ende nur noch schlechte Gebrauchtwagen angeboten wurden. (Vgl. Akerlof, G. A.: The Market for 'Lemons', in: Quarterly Journal of Economics, Vol. 89 (1970), S. 488-500)

Losungsmoglichkeiten

Um zu verhindern, dass es aufgrund dieser Informationsasymmetrie zu einem suboptimalen Handelsvolumen kommt, stehen verschiedene Massnahmen zur Verfugung:

  • Signalling: Hierbei versuchen die informierten Marktteilnehmer (im Lemons-Beispiel: Die Gebrauchtwagenverkaufer), die Informationsasymmetrie abzubauen. Hier haben die Anbieter guter Wagen ein Interesse, sich glaubhaft von den Anbietern schlechter Wagen abzugrenzen. Dabei nehmen sie Kosten auf sich, ein Signal zu produzieren, zum Beispiel ein DEKRA/TUV-Gebrauchtwagensiegel etc.
  • Screening: Hierbei nimmt die uninformierte Marktseite (also hier die Kaufer) Kosten auf sich, um die Informationsasymmetrie abzubauen. Beispiele waren hier: einen Kfz-Mechaniker zum Kauf mitzunehmen, eine umfangreiche Probefahrt, das 'Durchchecken' in einer Werkstatt.
  • Self-Selection: Hierbei werden geeignete Vertragsmenus angeboten, so dass jeweils die guten Anbieter und die schlechten Anbieter unterschiedliche Vertrage wahlen. Beispielsweise konnten die guten Anbieter kostengunstig eine Gewahrleistung anbieten, wahrend dies den schlechten Anbietern zu teuer wurde, so dass jeder Verkaufer, der bereit ware, eine Gewahrleistung anzubieten automatisch ein guter Anbieter ware.

Allerdings kommt es bei diesen 'Losungsmoglichkeiten' immer zu Kosten, so dass das erreichte Ergebnis nicht dem allgemeinen Gleichgewicht entspricht und somit wohlfahrtssuboptimal ist.

(siehe auch die allgemeine Beschreibung bei: Informationsasymmetrie.)

Beispiele

Versicherungsmarkte

Im Versicherungsmarkt besteht eine Informationsasymmetrie zwischen Versicherung und Versichertem. Die Versicherungen bedienen sich dabei der verfugbaren Mittel, um diese Informationsasymmetrie zu begrenzen. Beispielsweise sehen Versicherungsvertrage detaillierte Auskunftspflichten vor, es werden verschiedene Vertragsmenus (Selbstbeteiligungen etc.) angeboten usw.

Beispiel:

Hinweis: Im folgenden wird zunachst von risikoneutralen Prinzipalen und Agenten ausgegangen. Das ist unublich, ist aber einfacher zu zeigen und andert nichts an den grundsatzlichen Aussagen des Modells.
Eine Versicherung V mochte eine Krankenversicherung anbieten. Als Kunden kommen zwei (gleichgrosse) Menschentypen A und B in Frage. Wahrend die Gruppe A sehr gesundheitsbewusst lebt und im Erwartungswert mit 50 € Gesundheitskosten pro Jahr rechnet, sind die Menschen der Gruppe B starke Raucher und ubergewichtig. Diese Gruppe rechnet pro Jahr mit 150 € Gesundheitskosten.
Wenn die Versicherung nicht a priori zwischen den beiden Gruppen nicht unterscheiden kann, wurde sie den Erwartungswert (zuzuglich eines hier vernachlassigten Gewinnaufschlags) bilden und die Versicherung zu diesem Preis (hier 100 €) anbieten. Fur 100 € sind jedoch die Gesundheitsbewussten nicht bereit, eine Krankenversicherung abzuschliessen. Sie 'versichern' sich daher selbst und tragen evtl. anfallenden Kosten selber. Da somit nur Menschen der Gruppe B die Versicherung abschliessen, ist dieser Tarif nicht mehr finanzierbar, die Versicherung muss den Preis auf mindestens 150 € erhohen.
Diese Situation ist fur die Menschen der Gruppe A jedoch ungunstig. Selbst wenn sie gerne eine Versicherung abschliessen wurden (da sie risikoavers sind), konnen sie dies nicht (oder nur zu sehr hohen Kosten). Auch die Versicherung hatte ja ein Interesse, den Menschen der Gruppe A einen Vertrag anzubieten. Aus diesem Grund gibt es bei privaten Krankenversicherungen sehr viele verschiedene Tarife, zum Beispiel mit unterschiedlichen Selbstbeteiligungen u.a.

Steuerwettbewerb

Wenn mehrere Staaten mit unterschiedlichen Steuersystemen im Wettbewerb miteinander stehen, kann es ebenfalls zu adverse-selection-Effekten kommen.

Beispiel:

Staat A hat ein Kopfsteuersystem, wo jeder Burger pauschal 100 € Steuern zahlen muss. Staat B hat eine progressive Einkommensteuer, wo die Armsten nichts zahlen mussen, die Reichsten aber 200 €. Bevor die Grenzen zwischen den Staaten geoffnet sind, seien beide Haushalte im Gleichgewicht.

Durch politische Ereignisse kommt es zu einer Grenzoffnung zwischen den Staaten, so dass sich die Burger beider Staaten ihren Wohnort frei suchen durfen. Dabei werden tendenziell alle Burger, die unter dem Steuerregime des Staats B mehr als 100 € Steuern zahlen, in den Staat A ziehen und alle Burger, die in Staat A bisher 100 € gezahlt haben und in Staat B weniger zahlen mussten, werden in Staat B ziehen. Dies fuhrt dazu, dass Staat B sein Steuersystem nicht aufrechterhalten kann, weil alle, die bisher mehr als 100 € gezahlt haben, ausgewandert sind und er nicht mehr ausreichend Einnahmen erzielt.

(Vgl. zu diesen und anderen Effekten, z.B. bei Erhebung einer Grundsteuer: Oates, W. E., Fiscal Federalism, 1972.)

Sozialstaaten

Ahnliche Argumente gelten fur die Finanzierung von sozialen Sicherungsmassnahmen:

Diese Massnahmen mussen ja durch den leistungsfahigeren Teil der jeweiligen Bevolkerung gezahlt werden, die selbst aber kein unmittelbares Interesse an den bereit gestellten Leistungen hat. Sind jetzt mehrere Staaten miteinander im Wettbewerb, so kann es zwischen diesen Staaten zu einem Unterbietungswettlauf kommen:

  • Ein hohes Niveau an sozialen Leistungen lockt die Bezieher dieser Leistungen an,
  • Die Kosten fur diese Niveau mussen von den Bereitsteller (=Nettozahler) dieser Leistungen getragen werden. Diese Kosten wirken auf diese Gruppe aber abschreckend.

Damit lockt ein Staat systematisch die Bezieher von Sozialleistungen an, verdrangt aber den Teil der Bevolkerung, der diese Leistungen bezahlen konnte.

Hans-Werner Sinn vom ifo-Institut bezeichnet diesen Prozess als 'selection principle'. Wenn also Staaten miteinander im Systemwettbewerb stehen, sind sie auf lange Sicht gar nicht in der Lage, umverteilende Sozialsysteme aufrecht zu erhalten. Haufig wird der Staat New York dabei als Beispiel genannt: New York musste eingefuhrte hohe Sozialleistungen nach systematischer Einwanderung von Armen aus anderen Bundesstaaten der USA wieder abschaffen musste, um dem Bankrott zu entgehen (s. Literaturangaben). Mit diesem durch Wanderungsbewegungen ausgelosten Druck wird auch erklart, warum es in dem in dieser Hinsicht foderaler aufgebauten Amerika kein mit Deutschland oder anderen europaischen Staaten vergleichbares soziales Sicherungssystem gibt: Selbst wenn einzelne Staaten oder gar die gesamte Nation dies wunschen wurde, fuhrt der Unterbietungswettlauf der anderen Staaten dazu, dass die Bereitstellung dieser Leistungen nicht moglich ist.

Anlasslich der EU-Osterweiterung 2004 wurde diese Gefahr auch hierzulande wieder diskutiert. Allerdings sind bestimmte Freiheiten in den Beitrittslandern noch fur eine Zeit eingeschrankt.


Literatur

  • Akerlof, G. A.: The Market for 'Lemons', In: Quarterly Journal of Economics, Vol. 89 (1970), S. 488-500
  • Sozialunion, Migration und die europaische Verfassung (http://www.ifo.de/link/ifosd_2004_13_3.pdf), Hans-Werner Sinn, 06/2004
  • Oates, Wallace E.: Fiscal Federalism, New York u.a.: Harcourt Brace Jovanovich, 1972

Kategorie:Wirtschaftstheorie


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